Historie

Der Schlosskomplex hat seine heutige Gestalt im Laufe von acht Jahrhunderten erhalten, wobei die bedeutensten baulichen Maßnahmen Anfang des 15. Jahrhunderts und Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt wurden.

Die Veste Seefeld am Pilsensee, in Urkunden Sevuelt genannt, soll die Wiege des Geschlechts der Herren von Seefeld gewesen sein. Aus einer Urkunde geht hervor, daß Graf Berchthold von Andechs etwa um 1150 dem Kloster Benediktbeuern einen Teil des Waldes in der Scharnitz von Liten bis Sevuelt geschenkt hatte, der Degenhard von Seefeld übergeben wurde. Im 12. und 13. Jahrhundert war Seefeld der Sitz hochfreier Herren, die ausgedehnten Grundbesitz in der gesamten Umgebung besaßen. 1302 wurde eine Veste Schlossberg zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

BAUGESCHICHTE (PROF. DR. ENNO BURMEISTER)

Etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts ist auf dem Bergsporn über dem Pilsensee der Bergfried entstanden. Vermutlich bestand zu dieser Zeit bereits der niedrige Turm im Südwesten der Anlage, der auf Wenings Stich dargestellt ist. Die Substanz ist in den unteren Geschoßen noch zu erkennen. Möglicherweise bildete dieser Turm zusammen mit dem “Alten Nordbau” die älteste Bebauung. Der Gotische Hallenbau und die Ringmauer werden wohl zusammen mit dem Bergfried entstanden sein.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts ist ein erster Kapellenbau bezeugt. Dieser kann, nach den vorhandenen Unterlagen, nur gegenüber dem alten Nordbau gestanden haben. Die ältesten Nachrichten über diesen Bau stammen aus dem Jahre 1365; in dieses Jahr fällt die Vollendung und Einweihung der alten Kapelle. Aus historischen Unterlagen geht hervor, daß diese Kapelle 1479 abgebrochen wurde.Stattdessen wurde zwischen dem Bergfried und der Ringmauer eine neue von Seyfried von Toerring errichtet, die am 28. Dezember sesselben Jahres eingeweiht werden konnte.

Im selben Jahr war zum Schutz der Anlage ein Wehrturm im Südosten des Burgareals errichtet worden, der heute noch als Anbau an der Kapelle besteht und der auf dem Wening-Stich mit der Zwiebelhaube dargestellt ist. Zur gleichen Zeit ist für den Raum unter der Kapelle der Bau eines “Spitzgewölbes” angeführt und der Bau einer neuen Küche im Schloss. Um 1500 wurde der Turm renoviert – vielleicht erhielt er damals schon das heute noch vorhandene Pultdach – und der Bergfried wurde erneuert.

1601 wurde ein Bräuhaus zu Seefeld errichtet. Nach dem 08.04.1622 ist ein Anbau an der Kapelle bezeugt, der das Stiegenhaus und die Sakristei bildet. Dieser Anbau ist auf dem Aquarell von Max Kühn noch deutlich zu erkennen. Ein Gang zur Kapelle ist für das Jahr 1656 nachzuweisen, wohl der Gang an der Hofseite über den hohen, heute zugemauerten Bogenstellungen, die an den Bergfried angebaut sind.

1674 war die äußere Schlossbrücke eingestürzt. Da ausdrücklich erwähnt wird, daß sie mit hohen Kosten in Backstein aufgebaut wurde, ist es denkbar, daß sie bis dahin nur in Holz, freitragend über der schmalen Schlucht, errichtet war. Verschiedene Schreiben und Rechnungen aus dem Jahr 1678 weisen darauf hin, daß zu Seefeld ein Richterhaus neu erbaut wurde. Der auf dem Wening-Stich dargestellte Garten muß wohl in den Jahren 1695/96 durch das Lust- und Sommerhaus ergänzt worden sein. Es ist allerdings zu bezweifeln, daß der Garten in dieser Form angelegt war. Ein Manual berichtet über das neuerbaute Lust- und Sommerhaus im Schlossgarten, ebenso über den neugemachten Seegraben.

Aus dem Jahre 1722 ist eine Kirchenrechnung über die Schlosskapelle überliefert. In den folgenden Jahren setzte für Seefeld eine rege Bautätigkeit ein. 1730 wurden das neue Brauhaus der Kuhstall und der Stadel erbaut. Ferner wurde die Sägemühle erneuert und der Küchengarten inmitten des Weihers. 1732 wurde die innere Schlossbrücke erneuert, ein Jahr später bekam der äußere Schlosshof einen Springbrunnen. Nachdem 1736 durch ein Unwetter das Torhaus und der daran stehende Pfeiler schwer beschädigt worden waren, ließ man beides unter hohen Kosten wieder aufbauen. Aus dem Jahre 1739 stammen Rechnungen über den Bau des daran stehenden Torhauses. In diesen Jahren hat die Kapelle auch einen Großteil ihrer Ausstattung erhalten.

Nach 1766 bekam das Schloss einen Anbau an der Ostseite, links von der inneren Brücke. Im Vergleich zwischen dem heutigen Grundriß und dem Stich von Michael Wening, läßt sich eine Erweiterung des Wehrturms um ein Treppenhaus erschliessen: Die Mauerstärken belegen dies. In den Jahren 1775/76 wurde die Kapelle umgebaut, außerdem erhielt das Schloss – erst nach 1868 – einen französischen Dachstuhl. Auf dem Aquarell ist das Schloss noch mit einem steilen Satteldach dargestellt. In diese Zeit fällt auch der Bau eines Sommerkellers, des Mastviehstalls, des herrschaftlichen Pferdestalls und des Ökonomie- Zugviehstalls. Gegenüber wurde eine Wagenremise errichtet, sowie der Flügel des Schlosshofes, der dem Brauhaus gegenüber steht. Für den 13.06.1789 ist die Einweihung eines Theaters bekundet. Sein Dach ist auf dem bereits mehrfach erwähnten Aquarell zu erkennen. 1803 entstand der östliche Vorbau neben der inneren Brücke. Etwa zu diesem Zeitpunkt muß die Kapelle vollständig restauriert worden sein.

Bis 1868 bestand an der Südseite der Anlage nur ein ebenerdiger Bau innerhalb der Ringmauer, der in seinem östlichen Bereich auch außerhalb der Mauer erweitert war. Daran Schloss sich eine Orangerie, die zur Feldseite hin an der Ringmauer vorgebaut war . 1897 wurde dieser Bau durch Gabriel von Seidl aufgestockt. Die Orangerie mußte dem Arkadenbau weichen. Von diesem Zeitpunkt an erschien das Schloss an der Südseite nach außen hin offener. Es hatte seinen geschlossenen, wehrhaften Charakter aufgegeben und erhielt die Züge eines Wohnbaus. Während dieser Baumaßnahmen bekam auch der Wehrturm seine Zinnenbekrönung. Der Zustand seit den Umbauten durch Seidl ist auf historischen Fotografien dokumentiert. Die Terrasse wird auf den Raum vor der Kapelle erst in den Nachkriegsjahren 1947/48 durch das Aufsetzen eines Geschosses auf die Loggia durch Architekt Max Ott verkleinert.

STUCKZIMMER (SILBERSAAL)

Das Stuckzimmer ist ein rechteckiger Raum von ca. 5,00 x 9,90, der sich im Obergeschoß des Gotischen Hallenbaus befindet. es reicht über die gesamte Gebäudetiefe; zwei Fenster öffnen sich zur Feldseite hin, eines zum Hof. Zwei Türen erschließen den raum, eine kleinere, normal große Türe vom Gang aus, die ziemlich in der Ecke des Raumes liegt. Eine opulente zweiflügelige Tür führt vom Treppenhaus in diesen Raum. Die Dekoration des Raumes ist in Weiß und Gold gehalten. dadurch wird ein leichter, schwebender Charakter erzeugt. Über einem ca. 80 cm hohen Sockel aus ockerfarbenem Stuckmarmor werden die Wände des Raumes durch ebenso behandelte Pilaster in einzelne Felder unterteilt. Kompositkapitelle tragen ein reich verziertes Gesims, das in eine Hohlkehle übergeht. Diese und der Spiegel der Decke sind ebenfalls mit Stuckornamenten geschmückt. Die tiefen Fensterlaibungen, die durch schmale Leisten gerahmt sind, sind ebenfalls stukkiert.

Auf die Wandgliederung sind Stuckdekorationen appliziert: Musikinstrumente, erregtes Kleinwild und Früchtegehänge wechseln einander ab. In den Feldern zwischen den Pilastern sind Portraitbilder in Ölfarbe fest angebracht, sie besitzen Stuckrahmungen mit reichen Rocaille-Ornamenten. Leider fehlen einige Bilder. Die Türen sind Füllungstüren: im oberen Feld der kleinen Türe befindet sich das Gräflich Toerringsche Wappen, das untere quadratische Feld füllt ein Vierpaß aus. Die Doppelflügeltüre besitzt neben den pflanzlichen Ornamenten als Besonderheit einen Puttenkopf auf der Schlagleiste. In den Sopraporten sind wiederum reiche Rocaillen angebracht. Flankiert wird die Doppelflügeltüre von festeingebauten Aufsatzschränken mit Glasvitrinen: Die Fronten sind dem Raumcharakter entsprechend verziert und behandelt. Ein geschwungener gesprengter Giebel bekrönt den Vitrinenaufsatz.

WÜRDIGUNG

Wie kaum ein Schloss im Vierseenland hat Seefeld das Aussehen einer mittelalterlichen Burg bewahrt. Nicht nur der im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammende Bergfried, sondern auch die Spornlage bestärken dieses wehrhafte Aussehen.
Besucht man die Anlage, in der sich fünf Baustile vereinigen, wird man über die hohe äußere Brücke erst durch einen schmalen Torpavillon in den barocken Wirtschaftshof geleitet, dem man beinahe die Funktion einer “Vorburg” zuordnen könnte. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch den zweiten, allerdings künstlichen Graben, der das Schloss von den Wirtschaftgebäuden trennt.
In der Substanz sind ältere, mittelalterliche Bauteile spürbar in der Mauerdicke, der Form der Einwölbung und den kleinen, schießschartenartigen Fenstern. Außer dem Bergfried ist auch der Erdgeschoßbereich der nordseitigen Hofbebauung mit größeren mittelalterlichen Hallen interessant, sowie der westliche Turmstumpf. Die ursprünglich die Anlage schließende Ringmauer geht im Erdgeschoßbereich in den Seidl-Bau ein. Im Westen befindet sich im Nordbau ein Gewölberaum.
Im Inneren hat das Schloss zum größten Teil seinen ursprünglichen Charakter erhalten. Die Kapelle mit ihrer aus dem 18. Jahrhundert stammenden Ausstattung bildet vom kunsthistorischen Wert eine besondere Ausnahme. Ebenfalls von Interesse dürften in diesem Zusammenhang noch die im 19. Jahrhundert mit Stukkaturen ausgestatteten Räume sein.

Schloss Seefeld

Historische Aufnahme Schloss Seefeld

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